1961 – 2011, 50 JAHRE MAUERBAU (2011)

zwei-tage

Neunzehnhunderteinundsechzig – Zweitausendelf
1961 – 2011
50 Jahre Mauerbau und 21 Jahre Wiedervereinigung

Vorbemerkung:
Am 13. August 1961 wurde die schon 1952 verstärkt abgeriegelte innerdeutsche Grenze 1961 mit dem Bau der Mauer und dem Aufbau der Grenzbefestigungen zum „Kapitalistischen Ausland“ zum Symbol für Unfreiheit und Totalitarismus. Familien wurden durch sie getrennt, der Graben zwischen Ost und West, zwischen der freiheitlichen Welt und der kommunistischen Diktatur vertieft. Vorstellungen, Träume, Urteile und Vorurteile über das jeweils „Andere Deutschland“ beherrschte die Köpfe von Menschen hüben wie drüben.

Der „Eiserne Vorhang“, der Europa für weitere 28 Jahre trennen sollte, hat einen tiefen Riss quer durch Deutschland und Europa geschaffen. Scheinbar unüberwindbar hinterließ diese unmenschliche Grenze nicht nur äußere Wunden in geteilten Dörfern, Städten, Flüssen und Landschaften, sondern auch schmerzlich in und an den Menschen, die immer wieder versuchten körperlich oder auch nur in der Phantasie und in den Träumen diese Mauer zu überwinden. Diese Träume mündeten in einem kraftvollen Protest, der im Herbst 1989 die Mauer und damit den „Eisernen Vorhang“ zu Fall brachte. Der Fall des „Eisernen Vorhangs“ war gleichzeitig die Geburtsstunde eines Europas, das das friedliche Zusammenleben aller in ihm lebenden Menschen voranbringt.

Für alle Reisende von West nach Ost wargerade Marienborn mit seinen Kontrollen und Schikanen das äußere Symbol dieser Unmenschlichkeit. Kaum ein anderer Ort als die heutige Gedenkstätte Marienborn scheint besser geeignet zu sein, um eine künstlerische Auseinandersetzung über diese Zeit Deutsch-Deutscher Teilung zu wagen.

Zur Ausstellung:
Raum der Flucht.
In ihm sind die drei Fluchtwege, zu Lande, zu Wasser und zur Luft thematisiert. In einer Ecke des Raumes liegen verschiedene, weiß eingefärbte, stark beschädigte Reifen unterschiedlicher Fahrzeuge, die einige originale DDR-Fotos bedecken und mit Trockenblumen bestreut sind.

Ein stilisierter Ikarus, dessen Korpus und die weißen Flügel aus mit Stoff bespanntemGestell geformt sind, schwebt Raum beherrschend von der Decke. Der „Ikarus“ steht als Synonym für die Sehnsucht nach Freiheit und ist somit, insbesondere in Literatur und Kunst der DDR zum Symbol des Gelingens oder Nichtgelingens einer Flucht geworden.

Unter dem Ikarus, auf dem Boden befindet sich eine Bootswrack-Skulptur aus Pappmache in originaler Größe, weiß. Die Bootsoberfläche ist beschrieben mit den 30 Artikeln der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1948 und im Bootsinneren sind Originalfotos der DDR platziert.

An der Kopfwand befindet sich ein großes Ikarus-Gemälde, ihm gegenüber das Gemälde „Jason und die Syplegaden“ das Bezug nimmt auf die gefahrvolle Reise der Argonauten auf ihrer Suche nach dem Goldenen Vliess. Gegenüber der Fensterwand eine doppelt geschichtete halbdurchsichtige Folie mit „Schattenfiguren“ und einer Zeichnung des Wachturms von Berlin-Hohenschönhausen (Bezug auf Bespitzelung und politische Haftstrafen in der DDR).

Einbezogen in das Konzept wird der benachbarte „originale“ Büroraum der DDR-Grenzbeamten. In seinem kleinen Vorraum steht ein weißer Stuhl, beschrieben mit sämtlichen Mitgliedern der DDR Volkskammer von 1961, darüber schwebt ein grauer Kasten, aus dem die Stimme von Walter Ulbricht als Schleife klingt „…niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen“.

Raum der Grenzopfer
Fast 900 kleine, weiße Holzklötze (6 x 8 X 20cm) liegen auf dem Boden, nur beschriftet mit den Namen zahlreicher an der Grenze umgekommenen Menschen und der Art Ihrer Flucht.

Schon die Anfertigung dieser Klötze ist inhaltlicher Bestandteil der Installation, da sich die Künstlerin zwangsläufig mit nahezu 900 Biografien von Menschen auseinandersetzen musste, die an den Grenzen zum freuen Westen ums Leben kamen Das Feld der „Gedenksteine“ wird durch einen Gang unterbrochen, auf dem 6 doppelseitige Laternen mit nackten Glühlampen aufgestellt sind.

Die Laternen trennen die Klötze wie die ehemaligen Grenzanlagen, auch in ihrer bewussten geografischen Ausrichtung „Ost-West“.

Auf der Ostwand, gegenüber dem westlich gelegenen Fenstern dekliniert ein Schriftfries den Begriff „Opfer“ und erweitert damit den Opferbegriff auch auf Betroffene in der Bundesrepublik, oder auf diejenigen, denen die Flucht gelungen ist, die aber ihr komplettes bisheriges Leben in ihrer alten Heimat zurücklassen mussten.

Raum der Gedanken
Die Westwand wird beherrscht durch ein ca. 250 x 320 cm großes „Blumenbild“ (z.B. Sonnenblumen „Helianthus Annuus“). In der Mitte des Raumes befindet sich ein Beet mit frischer Blumenerde. An der Seite ein mit Kunstrasen überzogener Tisch, auf dem Blumensamen (Wiesenblumen) in einer Schale platziert sind. Eine kleine Harke, Schaufel und eine gefüllte Gießkanne sind dem Beet zugeordnet. Die Besucher können sich in Gedanken an die Mauer, mit ihrem eigenen Erlebten, ihren Gefühlen, und dem Gedenken an die Opferdie Blumensamen auf das Beet streuen.

Parallel zum Blumenbeet befindet sich an der Wand ein Fries von 8 Gemälden, auf denen ausschnitthaft Blumenwiesen zu sehen sind.

Diese Erde aus dem Beetmit den keimenden Pflanzen wurde im Anschluss an die Ausstellung auf dem Freigelände der Gedenkstätte zu einer Blumenwieseausgestreut.