Zwei Tage im Winter

Aus dem Kontakt mit dem Riga-Ghetto und lettischem Holocaustmuseum und seinem Leiter Rabbi Dr. Menachem Barkahan erwuchs die Möglichkeit zu einem Ausstellungsprojekt, das diesem Ort gerecht werden könnte. Nach intensiver Auseinandersetzung und Recherche wurden die unfassbaren Facetten im Zusammenhang mit der deutschen Besatzung Lettlands zwischen 1941 und 1945 deutlich. Es zeigten sich grausame Morde in den Ostseedünen nahe der Stadt Liepaja, vom Grauen in den Ghettos von Riga und Daugavpils, über die Massaker in den Wäldern vor den Toren Rigas, über die Kollaboration von lettischen Hilfspolizisten mit den Deutschen und von der gnadenlosen Ausbeute der Juden in den Rüstungsbetrieben auf lettischem Boden. Die erschütternden Ereignisse forderten nach einer künstlerischen Position. Daraus entstand das Projekt „Two Days In Winter“, das erstmals 2015 in Riga ausgestellt wurde. Für die untere Halle des Bremer Rathauses ist dieses Projekt neu konzipiert und erarbeitet worden.

Ghetto „Zwei Tage im Winter“ ist ein „begehbares Bild“, ein Environment bestehend aus Bildern, Objekten sowie Video- und Toninstallationen. Wie schon in Riga, wurde das Projekt auch in der unteren Halle das Bremer Rathauses den räumlichen Gegebenheiten angepasst, durch zusätzliche Objekte ergänzt und auch inhaltlich erweitert.
Der lang gestreckte, aber schmale Raum machten es erforderlich, das 7,20m breite Abschlussbild auf 4m zu bringen. Die Lösung fand sich, indem die 4 Bildteile als halbes Achteck aufgestellt nun frei im Raum stand und eine Art Apsis bildete. Von dort bildeten zwei über 20m lange „Menschenzüge“ einen schmalen Gang, der nun den abschließenden Weg zu den Massengräbern im Wald von Rumbula assoziierte.
Aus einem originalen Volksempfänger des Typs VE301 tönte die Hitlerrede vom 30. Januar 1939, in der er „die Vernichtung der jüdischen Rasse“ androhte. Neben einer Schreibmaschine Modell D von Seidel & Naumann ein altes Telefon und die Kopie einer Original-Deportationsliste mit 1000 Namen. Auf dem Boden ein Monitor mit Filmfragmenten der Massenmorde Strand von Škede bei Liepaja im Dezember 1941. Dieser Film verweist auf die im Gang versetzt stehenden zwei Säulen mit ihren unzähligen Löchern, aus denen weißes Licht und ein dumpfer Herzschlag dringt.

ausstellung in riga

nach oben